Historie

Ferdinand Tümler der Gründer der Gaststätte kam im Jahre 1802 nach Borghorst und machte zunächst eine Müllerlehre auf der Nünningsmühle in der Bauernschaft Dumte. Ferdinand Tümler entstammte aus dem Haus Eltingmühle in Schmedehau­sen bei Greven, wo sein Vater der Gastwirt, Müller und Posthalter Johann Ernst Tümler die Eltingmühle betrieb. An gleicher Stelle befindet sich heute noch die Gaststätte „Haus Eltingmühle“.

Am 22.Juni 1807 heiratete Ferdinand Tümler die Borghorsterin Maria Cornelia Ahlers. Der Großvater mütterlicherseits von Cornelia Ahlers war Johann Bernhard Dingbaum, der im Dienste des Stiftes Borghorst stand. So ist es zu erklären, dass Ferdinand und Maria Cornelia Tümler in einem Haus wohnten, dass im Stiftsbezirk, nämlich im Garten der Antonius und Barbara Vikarie, stand. Der Vikar dieser Vikarie, Joseph Ecker, gest. 19. September 1839, erscheint im Kirchenbuch bei drei Kindern von Ferdinand als Pate.

Da ein Teil des Gartens der Vikarie Antonius und Barbara, gelegen an der Emsdettener Strasse im Bereich der Zweigstelle der Kreissparkasse Steinfurt bis zum Haus Tümler - im frühen 19. Jahrhundert in den Besitz der Familie Tümler überging, ist anzunehmen, dass der Standort der heutigen Gastwirtschaft auch der erste Wohnsitz der Tümler `s gewesen ist.

Eine Tafel des historischen Stiftsrundganges bezeichnet an dieser Stelle den Standort eines Brauhauses des Stiftes Borghorst. Als wurde hier in früheren Jahren bereits für die Stiftsdamen Bier gebraut.

Ein „Verzeichnis der Arbeiter, Gesellen und Lehrjungen, welche sich am 10. Juli 1809 in den Fabriken und Werkstätten des Ems-Departments in der Municipalität Borghorst befinden“, bezeichnet Ferdinand Tümler als Fassbinder in Diensten der Abtei. Nach der Patent(Steuer)-Tabelle der 3. Klasse des Departements der Ems für die Gemeinde Borghorst von 1810 führte Ferdinand Tümler eine „Brandwein - und Bierschänke“.

Der erste Landrat des Kreises Steinfurt der Borghorster Bürgermeister Coermann errichtete im Hause Tümler im Jahre 1816 sein erstes landrätliches Büro. In der Familie Tümler ist überliefert, das in der Zeit von 1816 – 1820 der Räuberhauptmann Feldlaum, der in den Borghorster Bauernschaften sein Unwesen trieb, jeden Sonntag nach dem kirchlichen Hochamt hier seinen Frühschoppen abhielt. In der Runde der anwesenden Bauern und Kötter unterhielt er sich dabei über die Überfälle und Diebstähle in der Umgebung, ohne das die Bauern merkten mit wem sie es zu tun hatten.

Als nach der Zeit der Franzosenherrschaft auch in Borghorst der preußische Wind zu wehen begann, wurde 1818 angeordnet, das die bisherigen Branntweinschänken zwar noch weiter bestehen durften, jedoch bei Neueröffnungen die „Bedürfnisfrage“ nachgewiesen und eine Konzession beantragt werden müsse. Eine solche Konzession musste somit auch Josef Tümler, Sohn von Ferdinand Tümler im Januar 1843 beantragen, damit er die Schänke seines Vaters weiter betreiben konnte. Am 31. Januar 1843 schreibt der Borghorster Amtmann Bechtluft zum Konzessionsgesuch des „ Drechslers und Kolonialwarenhändlers Josef Tümler“, das der 28 jährige „zu den bestehenden Handelserlaubnissen den Wiederbeginn der in den früheren Jahren von seinem noch lebenden Vater betriebenen Schänkwirtschaft zu erhalten…“. Alle Schankstätteninhaber führten damals als Haupterwerbszweig noch ein anderes Gewerbe aus. So ist es auch zu erklären, das die Ausübung der Schankwirtschaft im Hause Tümler vorübergehend geruht hat, wie es früher in dem Berufe öfter vorkam. Dem Antrag auf Wiederbeginn wurde am 24.02.1843 stattgegeben.

Ferdinand Tümler verstarb am 13. August 1872 im hohen Alter von 94 Jahren in Borghorst. Sein Sohn Josef betrieb zu der Zeit neben der Schankwirtschaft eine Drechslerei, hauptsächlich zu Herstellung von Tabakspfeifen, einen Kolonialwarenhandel und dazu eine Bäckerei, die von seinem Bruder Ferdinand geleitet wurde. Als Josef Tümler am 10. August 1893 im Alter von 78 Jahren verstarb, trat sein ältester Sohn der Bäckermeister Gustav Tümler, die Nachfolge an. Am 19. Dezember des gleichen Jahres erhielt er die Konzession der elterlichen Wirtschaft, die sich im Laufe der Jahre ihres Bestehens zu einer gern besuchten Gaststätte entwickelt hatte.


Im Jahre 1901 wurde Gustav Tümler unerwartet im Alter von nur 54 Jahren aus seinem arbeitsreichen Leben herausgerissen. Noch 1897 hatte er neben dem alten Haus ein neues Wohn - und Geschäftshaus mit eine neuen Bäckerei errichtet.

Ihm war es gelungen viele Gäste und Kunden an sein Haus zu binden. Seine Frau Elisabeth führte nach dem Tod nun den Betrieb weiter. Es gelang ihr mit großem Engagement die gestellte Aufgabe zu meistern, so dass der Umfang des Geschäftes noch erweitert werden konnte. An Stelle des alten noch stehenden Hauses errichtete sie einen großen Anbau mit einem Saal für große Festlichkeiten, der kurz vor dem ersten Weltkrieg fertig gestellt wurde.


Als die Witwe Elisabeth Tümler 1927 im Alter von 65 Jahren aus dem Leben schied, übernahm der erst 27 jährige Sohn Franz den elterlichen Betrieb im vollen Umfang. Aus seiner Ehe mit Maria Terbrüggen aus Nordwalde gingen fünf Kinder hervor von denen eins bereits früh verstarb. Die beiden Söhne Franz-Josef und Leo erlernten das Bäckerhandwerk um später in die Fußstapfen des Vaters treten zu können.

Der Vater verstarb viel zu früh am 24. September 1952 im Alter von erst 52 Jahren. Wie bereits eine Generation früher ruhte wiederum die ganze Verantwortung auf eine Frau, die dafür sorgte, dass der Betrieb weiter geführt wurde.

Im Jahre 1958 übernahm der älteste Sohn Franz-Josef von seiner Mutter, die 1978 im Alter von 77 Jahren verstarb, die Gaststätte und die Bäckerei. Am 1. April 1962 wurde die Bäckerei aufgegeben. Aus den Räumen der Bäckerei entstand eine große Küche. Aus dieser werden die vielen Gesellschaften, Hochzeiten und Vereinsfeiern mit stets hervorragenden Menüs versorgt.


Am 3. Mai 1960 heiratete Franz-Josef Tümler die aus Burgsteinfurt stammende Maria Schmedding. Die Eltern von Maria Tümler führten lange Zeit die Gastronomie im dortigen Ludwigshaus. Unter der Leitung von Franz-Josef und Maria Tümler erfreute sich das Haus Tümler stetiger Beliebtheit.

Neben dem Haushalt, der Familie mit den Kindern Annegret, Franz und Rainer oblag Maria Tümler auch die Leitung der Küche des Hauses. Viele Vereine und Verbände aus Borghorst halten im Hause Tümler ihre Veranstaltungen und Versammlungen ab. Für den SC Preußen Borghorst, dem Männergesangverein, dem Frauenchor "Good Vibes" und der Patrioten Schützengesellschaft ist das Haus Tümler Vereinslokal.

Im Laufe der Zeit wurden die Räumlichkeiten des Hauses stetig modernisiert und auf die Anforderungen einer zeitgemäßen Gastronomie umgestellt. So erhielt im Jahre 1998 der Gastraum ein neues Gesicht und auch der große Saal des Hauses wurde 2001 vollständig modernisiert.



Im Jahre 2000 übergaben Franz-Josef und Maria die Geschäfte des Hauses an ihre Tochter Annegret und dem Schwiegersohn Ralf Bäumer. Franz – Josef Tümler verstarb am 25.April 2006. Er hinterließ eine große Lücke in seiner Familie und im Borghorster Vereinsleben. Hiervon zeugen nicht zuletzt auch die vielen Nachrufe und die Anteilnahme an seinem Tod aus der Borghorster Bevölkerung.

Annegret und Ralf Bäumer pflegen die Tradition des Hauses weiter und haben mit Ideen und dem nötigen Fingerspitzengefühl neue Angebote für die Gäste des Hauses geschaffen. So bietet das Haus ein sonntägliches Menü und Abendbüffet sowie besondere Veranstaltungen zu Silvester und zur Karnevalszeit an.